AUF DIE WÜSTE TOUR
29|10|17
 
 Liebe Kunden, Freunde und Kollegen,
nach längerer Pause melden wir uns mit unseren Hausnachrichten wieder mal bei Euch und richten den Blick dauch gleich weit hinein in das kommende Jahr. im März 2018 sind wir dann mal weg. Der eine zumindest. Der Horbacher Kellergestalter. „Wie jetztert?“, wird es Euch nun erstaunt entfahren, „der war doch noch nie weiter als zwei Tankfüllungen weg.“ Eben. Vielleicht muss mal frischer Wind in den Kellerkopf, neue Eindrücke und neue Inspiration. Wie auch immer, Rainer ist im Reisefieber und wird sich deshalb im kommenden März selber in die Wüste schicken. Aber der Reihe nach. Wir müssen da etwas ausholen:

Ein Teilzeit-Horbacher namens Heinz Bormann, im Dorf „der Afrikaner“ genannt, betreibt seit bald 30 Jahren inkognito diverse Hilfsprojekte im westafrikanischen Gambia, wo er auch die meiste Zeit des Jahres verbringt. Er hat dort, ohne viel Dings und Bums und Bla drum zu machen, bereits vier Grundschulen errichtet, eine Krankenstation, eine Bäckerei, eine Schreinerei und eine KFZ-Werkstatt. Ziel ist es, Ausbildung von Kindern und jugendlichen zu ermöglichen, damit die daheim die Chance auf ein gutes Leben haben und nicht sonstwohin flüchten müssen. Finanziert werden diese Projekte von bereits über zwanzig durchgeführten „Rallyes“ von Dresden nach Banjul, Gambias Hauptstadt. „Rallye“ ist insofern etwas irreführend, da es nicht auf Teufel komm raus gilt, möglichst rowdyhaft möglichst viele Hühner auf afrikanischen Sandpisten zu überfahren, sondern ca 50 Gebrauchtwagen über 7500 km zu überführen, und zwar so, dass sie nach der Zieleinfahrt noch einen gewissen Restwert repräsentieren. Denn die Autos werden nach der Ankunft in Banjul versteigert, der Erlös fließt in Heinz Bormanns Projekte. Heinz wird übrigens am kommenden Freitag, 3. November im FestSpielHaus Niederhorbach ab 19.30 über sein deutsch-afrikanisches Doppelleben berichten. Da ist der jetzt schon ganz aufgeregt.

Kellers Nachbar Peter Brunck, Zimmermann von Beruf, hat seinen altgedienten, 15 Jahre alten Mercedesbus gestiftet. Bei uns bereits relativ wertgemindert, kann dem Auto in Afrika ein nochmal so langes zweites Leben als Taxi oder Lastesel mit atemberaubender Ladekapazität bevorstehen. Er kann so eine Existenz sichern und jedenfalls mit seinem Verkaufserlös und der Hilfe von Sponsoren beitragen, die Einrichtung eines Klassenzimmers in der Kobisala Nursery School zu finanzieren. Dies ist jedenfalls das erklärte Niederhorbacher Spendenziel dieser Aktion und macht sie neben einem Abenteuer für große Buben, Autobastler, Roadmoviefans und Fernwehgeplagte eben auch zu einer runden und unterm Strich nützlichen Sache, von der am Ende ein jeder ebbes hat.

Kellers und Bruncks Nachbar Dr. Roland Martin und ich werden am 2. März 2018 in Dresden starten und unser Wüstenschiff über drei Wochen durch Frankreich, Spanien, Marokko, Westsahara, Mauretanien und den Senegal nach Gambia steuern. Als „Team Südliche Weinstraße“ werden wir an den Start gehen und die segensreiche Wirkung von Pfälzer Riesling bis tief in die Sahara hinein loben und preisen und für jeden anschaulich kommunizieren. Mehr über die wüste Tour und die schwarzafrikanischen Hintergründe findet Ihr hier:
www.rallye-dresden-dakar-banjul.com sowie www.dbo-online.org

Wir haben uns vorgenommen, neben dem Autoverkauf Spenden von möglichst vielen Sponsoren beizusteuern. Also liebe Kunden, Freunde und Kollegen der Kellergestalter: Wir sfreuen uns auf Spenden jedweder Höhe. Ab 30 Euro gibt es bei Bedarf eine Spendenbescheinigung, und ab 100 Euro kommt auf Wunsch Ihr/Euer Firmenlogo auf unseren Sternwagen, der bis zum März noch, als Testlauf quasi, auf den südlichen Weinstraßen unterwegs sein wird. Und irgendwie werden wir euch sicherlich auch während der Tour auf dem Laufenden halten, was uns so beim Fahren an Erfahrungen und Widerfahrungen über den Weg läuft.

Hier das Spendenkonto:
Empfänger: Miriquidi goes Africa e.V.
IBAN: DE27120300001018418846  bei Deutsche Kreditbank Berlin
Bei der Überweisung mögen der freundlichen Spender/innen im „Verwendungszweck“ folgendes angeben: Team SÜW und ggf. Name und Adresse die Spendenbescheinigung.

Max Santo wird nach Kräften in der Bremer Außenstelle die Kundenbetreuung und kreative Vertretung übernehmen. Das kann der! Voraussichtlich ab 5. April sitzen wieder beide Kellergestalter frisch und vollgetankt mit Erfahrungen und Eindrücken an ihren Plätzen.
Aber bis dahin ist ja noch ein bissel Zeit, da können wir ja auch noch einige eurer Gestaltungswünsche erfüllen.
 
 
WOLLE, STOFF & STUFF. UND NOCH NE KATZE.
25|02|17
 
Julaine_Logo_RZ farbigflicken2  Am 6. Februar kam der Auftrag. Am 5. März wird eröffnet. Dazwischen liegt eines unserer fixesten CI-Konzepte ever. Echt, wir haben geschafft wie die Blöden und hoffen, die Expressschiene der Druckerei funktioniert und alle Drucksachen liegen am Samstag auf dem Ladentisch.
Ein bisschen sind wir da schon stolz auf uns und wir zwei Kellergestalter haben das auch diskutiert, wie wir im Spannungsdreieck aus rasender Zeit, überichtlichem Budget und hohem Anspruch ein Ergebnis maßschneidern konnten, mit dem wir hier durchaus angeben wollen.
Apropos Wolle: Genauso wie ein bewährtes Strickmuster im Atelierteam wirkt die saubere Nahtstelle zwischen Kunde und Designer Wunder. Es braucht auf der einen Seite den, der’s macht, und auf der andere eine, die’s will und zulässt. So geschehen bei der Entwicklung der Markenoptik für JuLaine, den neuen Laden für Wolle, Stoff & Stuff mitten in Bad Bergzabern. Die Zusammenarbeit mit Juliane Bohrer verlief so nahtlos konstruktiv, angenehm und denkbar reibungslos, wie man es sich nur wünschen kann (und was uns erfreulicherweise öfter passiert). Natürlich ist mit unserem Besuch am Eröffnungstage zu rechnen, denn auf den guten Anfang wollen wir natürlich in aller Ruhe anstoßen.
Am Rande: Ja, die Katze taucht bereits zum wiederholten Male in einem unserer Logomotive auf. Und ja, Atelierlöwe Oskar ist noch obenauf. Stammkunden kennen ihn bereits, haben ihm Zärtlichkeiten geschenkt und oder sind (dennoch) von ihm feste gebissen worden. Doch nein, wir sind keine reinrassigen Katzennarren. Unser Verhältnis zu dem Viech ist nach wie vor problembehaftet. Er nervt jeden Tag wie Sau und wir schmeißen ihn deshalb auch ganz oft raus. Selbst bei strengen Minusgraden. Unverständlicherweise kommt er aber noch öfter wieder. Vielleicht wegen der strengen Minusgrade.
 
 
WIR DORFGRAFIKER
20|07|16
 
FestSpielHaus_Logo  Wenn du als Grafiker auf dem Dorf lebst, und wenn du das Dorfleben liebst, dann bist du ein echter Dorfgrafiker. Und wenn du dich darüber hinaus noch für deine Gemeinde engagierst, dann hast du den Job… Wir stellen euch hiermit ein ganz besonderes Kind vor, das unsere Geburtshilfe erfuhr. Willkommen im FestSpielHaus Niederhorbach. Jüngst eröffnet haben wir unser neues Gemeindezentrum mit dem wenig bescheidenen Namen. Nahe am Größenwahn möchte man denken, angesichts der Einwohnerstärke Niederhorbachs von ziemlich genau 500. Vielleicht eine der charmanteren Formen von Größenwahn. Und jedenfalls ein Alleinstellungsmerkmal weit über das liebliche Hirtenbachtal hinaus. Einen kühn-modernen Flachbau haben die wackeren Architekten von Müllers Büro in Vollmersweiler (Dorfarchitekten im 300-Seelendorf) da hingestellt, mitten hinein in unser Dorf, als Teil eines spannenden Ensembles mit dem knuffigen Kirchlein und der altgedienten „Bürgerstube“, die, vor ihrer Zeit als Dorfwirtschaft die Grundschule der Horbacher war. Dass wir den für Horbacher Verhältnisse radikalen Entwurf dann auch genau so nehmen –  ja, das hätten die selber nicht gedacht! Schön sieht das aus, finden wir, also finden die meisten, und da haben wir Grafiker den Zusammenhang eben auch in einem Logo hergestellt und an die Fassade des FestSpielHauses angebracht.
Apropos feiern und spielen: Bald ist Horbacher Weinkerwe, „Läbdaach in Horbach“. Vom 12. bis 16. August herrscht wieder kommunaler Ausnahmezustand und unsere treuen Stammkunden wissen, dass auch wir das gerne zum Anlass nehmen, den Laden Laden sein zu lassen und uns einen Festschoppen zu genehmigen. So auch dieses Jahr: Vom 12. bis 30. August machen wir Sommerpause und wünschen uns und euch herrlich sonnige, erholsame Tage.
 
 
„KATZENKOPF?“ – „STÜCK DAVON!"
29|03|16
 
Katzenkopf  Was im Wortlaut etwas dadaistisch anmutet, ist der traditionelle Zunftgruß unter Schmieden und Schlossern vergangener Jahrhunderte. Als Passwort für auf der Walz wandernde Gesellen öffnete es das Tor des Meisters, dem man sich als lernwilliger Helfer anzudienen pflegte. Katzenkopf? Das Schloss am Werkstatttor trug zu früheren Zeiten in seinem inneren Mechanismus ein zentrales Bauteil, welches in seiner Form an die Form des Katzenkopfes gemahnte. Stück davon! Der um Einlass begehrende Gesell verwies mit dem Ausruf in aller Bescheidenheit auf den Umstand, dass seine Handwerkskunst noch unvollkommen sei und er seine Fertigkeiten nun Stück um Stück zu vervollkommnen gedachte. Wie wir Kellergestalter finden, eine durchaus anerkennenswerte und wegweisende Haltung für jeden ernsthaft Berufenen, die in, vielleicht sogar ob ihrer Zurückhaltung leider etwas aus der Mode geraten ist.
Heute finden wir in der Bad Wimpfener „Alten Schmiede“, mitten in der Altstadt noch eine vollständig eingerichtete, historische Schlosserwerkstatt. Auch wenn die Esse längst erkaltet ist, es ist noch alles da an geschmiedeten Werkzeugen und transmissionsbetriebenen Maschinen. Seit November 2016 ist nun in der Langgasse 4 neues Leben eingezogen. Maria Leibrock hat mit viel Behutsamkeit und gutem Geschmack einen wunderbaren Laden eingerichtet: Auf den alten Werkbänken findet man nun handwerklich kunstvolle Einrichtungsobjekte, Kleinmöbel, Heimtextilien und schmucke, originelle, stets fein ausgesuchte Liebhabereien für alle, die eigentlich schon alles haben. Maria Leibrock hat uns aufgetragen, ein Erscheinungsbild zu gestalten. Gemeinsam haben wir also den Namen hergeleitet und uns an die Logoentwürfe gemacht. Fein will unser Zeichen sein, doch mit genau jenem ganz kleinen Schuss Punk und Unangepasstheit, den wir im schwarzäugig-tiefgründigen Blick der Inhaberin nur erahnen können. Maria ist klug und antwortet mit vornehmem Schweigen.
 
 
WIR DORFKINDER
21|03|16
 
 Einmal Dorfkind, immer Dorfkind. Vermutlich liegt es an der kargen Gleichförmigkeit der alltäglichen Reize hier auf dem Land, die uns vor ihrer Überflutung schützt, und weshalb wir uns bei jedem Gang durch die Felder mühelos vierzig Jahre in unserer Timeline zurückversetzen können. Wir sind hier halt irgendwie noch näher dran am „Sellemools", denn da wo die Uhr langsamer geht, da tickt es auch in den Leuten anders. Ich habe die Relativitätstheorie ja noch nicht verstanden, doch scheint es mir bereits sicher, dass es, wenn man die Zeitkomponente korrekt berücksichtigen möchte, nicht egal sein kann, ob die Zeitbiegeformel in der Großstadt oder eben in Horbach zur Anwendung kommt.
Was wir sagen wollen: Dorfkindheit prägt. Bleibt. Eigentlich ist das etwas ganz Wunderbares, jetzt mal vorausgesetzt, du blickst auf eine einigermaßen schöne Kindheit zurück, die es auch wirklich wert ist, unvergessen zu bleiben. Doch wer eine solche hatte, der ist auf immer Dorfkind, mit Hollerduft in der Nase, Sand im Schuh und Dreck unter den Nägeln.
Womit wir Niederhorbacher, Pleisweiler-Oberhofener, Klingenmünsterer alle groß geworden sind, das ist auch die Nonnensusel. Nicht dass wir das Buch von Regionalromancier August Becker, welches in jedem alteingesessenen Südpfälzer Dorfhaushalt zwischen Grizmek und Ganghofer steht, jemals gelesen hätten. Nein, dazu stellt sich der Text von achtzehnhundertumdieachtzig doch etwas sperrig… doch haben wir schon als Kinder immer geahnt, dass der hubbelige Feldweg zwischen Niederhorbach und Oberhofen, vorbei an der Stelle, wo es mal das Dörflein Weyher gegeben hat, bis die da alle an der Pest gestorben sind und man das Dorf dann irgendwie erst aufgegeben, dann vergessen und schließlich umgepflügt hat, wohl etwas Besonderes sein musste. Eben weil da an diesem Geisterdorf vorbei die Nonnensusel marschiert sein soll. Eine couragierte und kluge Frau, als Weibsbild ihrer Zeit lange voraus. Ein guter Geist, irgendwie.
Vier Winzerinnen und Winzer aus „der Nonnensusel ihrem Dorf“ Pleisweiler-Oberhofen setzen der Local Heroin ein Denkmal: Ein eigenwilliges Cuvée nach der Machart anno dunnemols, wo sich der Weinberg aus einer Vielzahl von Rebsorten zusammensetzte. Das war ganz und gar praktisch: Verreckte der Riesling, schaffte es eben der Kanzler daneben und im Herbst gab es immer was zu lesen und zu trinken. Mit ihrem ganz eigenen Land-Wein erinnern die Pleisweiler-Oberhofener Winzer an die alte Zeit. Weshalb wir Kellergestalter, was den Retrolook betrifft, hier mal wieder zu Hochform auflaufen durften. Prost, Dorfkinder!
 
 
 
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