WIR DORFGRAFIKER
20|07|16
 
FestSpielHaus_Logo  Wenn du als Grafiker auf dem Dorf lebst, und wenn du das Dorfleben liebst, dann bist du ein echter Dorfgrafiker. Und wenn du dich darüber hinaus noch für deine Gemeinde engagierst, dann hast du den Job… Wir stellen euch hiermit ein ganz besonderes Kind vor, das unsere Geburtshilfe erfuhr. Willkommen im FestSpielHaus Niederhorbach. Jüngst eröffnet haben wir unser neues Gemeindezentrum mit dem wenig bescheidenen Namen. Nahe am Größenwahn möchte man denken, angesichts der Einwohnerstärke Niederhorbachs von ziemlich genau 500. Vielleicht eine der charmanteren Formen von Größenwahn. Und jedenfalls ein Alleinstellungsmerkmal weit über das liebliche Hirtenbachtal hinaus. Einen kühn-modernen Flachbau haben die wackeren Architekten von Müllers Büro in Vollmersweiler (Dorfarchitekten im 300-Seelendorf) da hingestellt, mitten hinein in unser Dorf, als Teil eines spannenden Ensembles mit dem knuffigen Kirchlein und der altgedienten „Bürgerstube“, die, vor ihrer Zeit als Dorfwirtschaft die Grundschule der Horbacher war. Dass wir den für Horbacher Verhältnisse radikalen Entwurf dann auch genau so nehmen –  ja, das hätten die selber nicht gedacht! Schön sieht das aus, finden wir, also finden die meisten, und da haben wir Grafiker den Zusammenhang eben auch in einem Logo hergestellt und an die Fassade des FestSpielHauses angebracht.
Apropos feiern und spielen: Bald ist Horbacher Weinkerwe, „Läbdaach in Horbach“. Vom 12. bis 16. August herrscht wieder kommunaler Ausnahmezustand und unsere treuen Stammkunden wissen, dass auch wir das gerne zum Anlass nehmen, den Laden Laden sein zu lassen und uns einen Festschoppen zu genehmigen. So auch dieses Jahr: Vom 12. bis 30. August machen wir Sommerpause und wünschen uns und euch herrlich sonnige, erholsame Tage.
 
 
„KATZENKOPF?“ – „STÜCK DAVON!"
29|03|16
 
Katzenkopf  Was im Wortlaut etwas dadaistisch anmutet, ist der traditionelle Zunftgruß unter Schmieden und Schlossern vergangener Jahrhunderte. Als Passwort für auf der Walz wandernde Gesellen öffnete es das Tor des Meisters, dem man sich als lernwilliger Helfer anzudienen pflegte. Katzenkopf? Das Schloss am Werkstatttor trug zu früheren Zeiten in seinem inneren Mechanismus ein zentrales Bauteil, welches in seiner Form an die Form des Katzenkopfes gemahnte. Stück davon! Der um Einlass begehrende Gesell verwies mit dem Ausruf in aller Bescheidenheit auf den Umstand, dass seine Handwerkskunst noch unvollkommen sei und er seine Fertigkeiten nun Stück um Stück zu vervollkommnen gedachte. Wie wir Kellergestalter finden, eine durchaus anerkennenswerte und wegweisende Haltung für jeden ernsthaft Berufenen, die in, vielleicht sogar ob ihrer Zurückhaltung leider etwas aus der Mode geraten ist.
Heute finden wir in der Bad Wimpfener „Alten Schmiede“, mitten in der Altstadt noch eine vollständig eingerichtete, historische Schlosserwerkstatt. Auch wenn die Esse längst erkaltet ist, es ist noch alles da an geschmiedeten Werkzeugen und transmissionsbetriebenen Maschinen. Seit November 2016 ist nun in der Langgasse 4 neues Leben eingezogen. Maria Leibrock hat mit viel Behutsamkeit und gutem Geschmack einen wunderbaren Laden eingerichtet: Auf den alten Werkbänken findet man nun handwerklich kunstvolle Einrichtungsobjekte, Kleinmöbel, Heimtextilien und schmucke, originelle, stets fein ausgesuchte Liebhabereien für alle, die eigentlich schon alles haben. Maria Leibrock hat uns aufgetragen, ein Erscheinungsbild zu gestalten. Gemeinsam haben wir also den Namen hergeleitet und uns an die Logoentwürfe gemacht. Fein will unser Zeichen sein, doch mit genau jenem ganz kleinen Schuss Punk und Unangepasstheit, den wir im schwarzäugig-tiefgründigen Blick der Inhaberin nur erahnen können. Maria ist klug und antwortet mit vornehmem Schweigen.
 
 
WIR DORFKINDER
21|03|16
 
 Einmal Dorfkind, immer Dorfkind. Vermutlich liegt es an der kargen Gleichförmigkeit der alltäglichen Reize hier auf dem Land, die uns vor ihrer Überflutung schützt, und weshalb wir uns bei jedem Gang durch die Felder mühelos vierzig Jahre in unserer Timeline zurückversetzen können. Wir sind hier halt irgendwie noch näher dran am „Sellemools", denn da wo die Uhr langsamer geht, da tickt es auch in den Leuten anders. Ich habe die Relativitätstheorie ja noch nicht verstanden, doch scheint es mir bereits sicher, dass es, wenn man die Zeitkomponente korrekt berücksichtigen möchte, nicht egal sein kann, ob die Zeitbiegeformel in der Großstadt oder eben in Horbach zur Anwendung kommt.
Was wir sagen wollen: Dorfkindheit prägt. Bleibt. Eigentlich ist das etwas ganz Wunderbares, jetzt mal vorausgesetzt, du blickst auf eine einigermaßen schöne Kindheit zurück, die es auch wirklich wert ist, unvergessen zu bleiben. Doch wer eine solche hatte, der ist auf immer Dorfkind, mit Hollerduft in der Nase, Sand im Schuh und Dreck unter den Nägeln.
Womit wir Niederhorbacher, Pleisweiler-Oberhofener, Klingenmünsterer alle groß geworden sind, das ist auch die Nonnensusel. Nicht dass wir das Buch von Regionalromancier August Becker, welches in jedem alteingesessenen Südpfälzer Dorfhaushalt zwischen Grizmek und Ganghofer steht, jemals gelesen hätten. Nein, dazu stellt sich der Text von achtzehnhundertumdieachtzig doch etwas sperrig… doch haben wir schon als Kinder immer geahnt, dass der hubbelige Feldweg zwischen Niederhorbach und Oberhofen, vorbei an der Stelle, wo es mal das Dörflein Weyher gegeben hat, bis die da alle an der Pest gestorben sind und man das Dorf dann irgendwie erst aufgegeben, dann vergessen und schließlich umgepflügt hat, wohl etwas Besonderes sein musste. Eben weil da an diesem Geisterdorf vorbei die Nonnensusel marschiert sein soll. Eine couragierte und kluge Frau, als Weibsbild ihrer Zeit lange voraus. Ein guter Geist, irgendwie.
Vier Winzerinnen und Winzer aus „der Nonnensusel ihrem Dorf“ Pleisweiler-Oberhofen setzen der Local Heroin ein Denkmal: Ein eigenwilliges Cuvée nach der Machart anno dunnemols, wo sich der Weinberg aus einer Vielzahl von Rebsorten zusammensetzte. Das war ganz und gar praktisch: Verreckte der Riesling, schaffte es eben der Kanzler daneben und im Herbst gab es immer was zu lesen und zu trinken. Mit ihrem ganz eigenen Land-Wein erinnern die Pleisweiler-Oberhofener Winzer an die alte Zeit. Weshalb wir Kellergestalter, was den Retrolook betrifft, hier mal wieder zu Hochform auflaufen durften. Prost, Dorfkinder!
 
 
ENERGIEEFFIZIENZ
15|12|15
 
Energieeffizienz2  Unser mit nachwachsenden Rohstoffen befeuerter Wärmespender arbeitet multifunktional. Er dient nicht nur zur Erzeugung einschläfernder Raumtemperatur, nein, auch Atelierlöwe Oskars Rezeptoren für Infrarotstrahlung vermelden tiefe Behaglichkeit, während im heiligen Fünflitergusstopf ein weiterer Braten schmort und köstlichen Duft verströmt. Wobei wir größten Wert auf die Feststellung legen, dass die Bestückung der Backfächer ober- und unterhalb unseres Lagerfeuers stets mit verschiedenen Spezies und zu unterschiedlichem Zwecke erfolgt. Was wir euch mit dieser uns passend scheinenden Momentaufnahme eigentlich sagen wollen, liebe Kunden, Kollegen und Freunde der Kellergestalter: Wir lassen es nun bald vorweihnachtlich ausklingen. Ein turbulentes Jahr, reich an Arbeit, Erfahrung, Begegnung, Erfolg geht zu Ende. Wir bedanken uns für viel Lob und Zuspruch, freuen uns über viele zur gemeinsamen Zufriedenheit gelösten Aufgaben und wünschen uns, auch im kommenden Jahr mit euch in angenehmer Verbindung zu bleiben. Vom 23. Dezember bis 9. Januar liegen wir vor oder hinter dem Ofen und halten unseren Winterschlaf. Euch und euren Familien wünschen wir in allgemein gar nicht so gemütlichen Zeiten viel Gesundheit und Zufriedenheit. Den Blick auf die schönen Seiten der Dinge und viele Gelegenheiten, sie zu teilen. Und hie und da die Wärme eines gastlichen Lagerfeuers im Gesicht.
 
 
FERIENFREUDE UND TELEFONDRAMA
28|07|15
 
urlaub  Kellergestalter sind telefonisch kaum zu erreichen. Eine Erfahrung, die ein jeder Kunde relativ bald nach Beginn einer Zusammenarbeit mit uns macht. Auch dieser Umstand unterscheidet unser sondersames Atelier von normalen Werbeagenturen: Es gibt kein Vorzimmer und keine sanfte Telefonstimme, die Sie freundlich begrüßen und charmant auf morgen vertrösten könnte. Sattdessen läuft Ihr Anruf hier meist ins Leere, gegebenenfalls angenommen von einem Cyborg in der Fritzbox, der Ihnen schließlich jede Möglichkeit der Äußerung von Lob und aufmunterndem Zuspruch verwehrt. Ja, wir gestehen: Manchmal ignorieren wir das Klingelgedöns sogar einfach. Und ja, wir bekennen uns schuldig: Das ist in der Tat stoffelig. Und richtig, als Kommunikationsdesigner sollte man das eigentlich besser wissen. Eigentlich total irre, dass uns bislang noch kein Kunde ob unseres beanstandungswürdigen Gebarens ernsthaft und schmerzhaft an den Ohren gezogen hat. Aber vielleicht hat er, oder sie (Ihr merkt, Gender-Mainstreaming ist nun auch in Horbacher Kellern angekommen) uns halt einfach nicht erreicht… Wir müssen immer wieder feststellen: Das Telefon ist unser größter Störenfried im Alltag. Nicht, weil gerade Sie es sind, der anruft, nein…sondern deshalb, weil es uns jederzeit aus einem jeden klaren, sortierten Gedanken aufzuschrecken und diesen mit nachhaltiger Wirkung zu zerstreuen vermag. Bis zu 30 Mal pro Tag werden wir rausgerissen – vielleicht gerade aus einem Gedanken in Ihrer Sache!  Wir kennen das Problem, haben derzeit noch keine wirklich praktikable Lösung. Aber versprochen: wir denken immer wieder mal drüber nach.
Immer wieder mal nachdenken tun wir auch über einen weiteren Umstand (für euch): Unseren Urlaub. Den wollen wir hiermit ankündigen: Vom 3. bis 21. August sind wir noch ein wenig schlechter zu erreichen als üblich: nämlich garnicht. Aber wir sind runter mit der Bereifung und brauchen das jetzt: ein paar Tage ohne Termine, ohne Ideen, ohne Druck. Und völlig ohne Telefon.
Es grüßen, und wünsche auch euch feine Tage: Eure Kellergestalter Rainer und Max
 
 
 
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